Benno Nietzel

Benno Nietzel, Foto: privatDr. Benno Nietzel
(Universität Bielefeld)

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Propaganda, Medienwissen und Kommunikationsforschung im Zeitalter der Extreme: USA, Sowjetunion, Deutschland von den 1920er Jahren bis zum Kalten Krieg

Auf welche Weise verwissenschaftlichte sich Nachdenken über Massenkommunikation und Politik im 20. Jahrhundert? Welche Beziehungen ergaben sich zwischen staatlicher Kommunikationspolitik und wissenschaftlicher Kommunikationsforschung? Beide Fragen stehen im Zentrum von Benno Nietzels Projekt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Entwicklungen in den USA in der Zeit des Zweiten Weltkrieges und des frühen Kalten Krieges (bis Ende der 1950er Jahre). Doch auch die Sowjetunion und Deutschland werden vergleichend-verflechtungsgeschichtlich in die Untersuchung mit einbezogen.

Seit dem Ersten Weltkrieg wurde Massenkommunikation als eine politische und eine Wissens-Herausforderung diskursiv konzeptualisiert. Die Erfahrung totalitärer Propagandaregime und die weltpolitischen Spannungen des "Jahrhunderts der Extreme" trieben das Nachdenken über Massenkommunikation und Politik weiter voran und gaben ihm eine spezifische Prägung. Im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg mobilisierten und nutzten politische Akteure und Kommunikationsexperten auf unterschiedliche Weise wissenschaftliches Wissen um die Zusammenhänge massenmedialer Kommunikation. Eine lineare internationale Entwicklung zeigt sich hierin freilich nicht: Wissenschaftliches Wissen blieb auf dem Feld der Propaganda und Kommunikationspolitik nie unumstritten, befand sich in Konkurrenz zu anderen Formen von Wissen und Expertise und konnte letztlich nie eine exklusive Vormachtstellung erlangen. Die Geschichte des Kalten Krieges wird in dem Projekt so in eine alternative Geschichte von Verwissenschaftlichungsprozessen und Expertentum im 20. Jahrhundert eingebettet, die von Ungleichzeitigkeiten, Gegenläufigkeiten und Widersprüchen gekennzeichnet ist.

Benno Nietzel ist Akademischer Rat auf Zeit am Arbeitsbereich Historische Politikforschung an der Universität Bielefeld. Er studierte Neuere Geschichte, Theaterwissenschaft und Kommunikationswissenschaft in Berlin und Moskau und wurde 2010 an der Ruhr-Universität Bochum promoviert. Seine Dissertation erschien 2012 in Göttingen bei Vandenhoek & Ruprecht unter dem Titel Handeln und Überleben. Jüdische Unternehmer aus Frankfurt am Main 1924-1964. Er forscht und publiziert u. a. zur transatlantischen Geschichte im 20. Jahrhundert, zur Wissenschafts- und Wissensgeschichte und zur Geschichte des Kalten Krieges. Aktuelle Publikationen: "Propaganda, Psychological Warfare and Communication Research in the USA and the Soviet Union during the Cold War" in History of the Human Sciences (2016); "Kommunikationsforschung hinter dem Eisernen Vorhang: Psychological Warfare, Politik und Osteuropa-Expertise in den USA im frühen Kalten Krieg" in Osteuropa (2017).

Im Akademischen Jahr 2016/17 ist Benno Nietzel Forschungsstipendiat der Gerda Henkel Stiftung und während dieser Zeit Gastwissenschaftler am Berliner Kolleg Kalter Krieg.

Berliner Kolleg Kalter Krieg
Brown Bag Breakfast # 12 | Projektvorstellung am Berliner Kolleg Kalter Krieg | 14.2.2017

Ringvorlesung | War of Words: Propaganda, Kommunikationsexperten und Wirkungsforschung im Kalten Krieg und Podcast| 26.1.2017