Sabine Rutar

Sabine Rutar, (c) reworkDr. Sabine Rutar
(Institut für Ost- und Südosteuropaforschung, Regensburg)

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Arbeiten und Wirtschaften an der Grenze. Werft- und Hafenindustrien an der nördlichen Adria im Kalten Krieg

Sabine Rutar untersucht die nordadriatischen Hafen- und Werftindustrien in Triest, Monfalcone, Koper und Rijeka im Kalten Krieg. Ihre Studie ist mikrohistorisch vergleichend angelegt und bietet Einsichten in die Transformationsprozesse der italienischen und der jugoslawischen Gesellschaft nach 1945 an ihren jeweiligen Rändern. Methodisch werden Demokratie und Diktatur sowie Markt und Plan in Relation zueinander gesetzt; im Fokus stehen Arbeits- und Wirtschaftsbeziehungen in zwei global funktionierenden Industrien. Die italienisch-jugoslawische Grenzregion blieb nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lange umstritten und war von zwei starken, indes ideologisch konträren kommunistischen Ideologien geprägt – die jugoslawisch-titoistische und die italienische, die stalintreu blieb. Die vier Wirtschaftsstandorte liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt zu beiden Seiten einer Grenze des Kalten Krieges, die nicht nur konfliktgeladen war, sondern auch rasch zu einer der offensten Systemgrenzen wurde. Verglichen werden also staatssozialistische und liberal-kapitalistische Formen des Wirtschaftens in den Aufbaujahren nach dem Krieg, während der Wirtschaftswunderjahre, in der ökonomischen Krise der 1970er Jahre sowie im letzten Jahrzehnt der bipolaren Weltordnung. Die italienisch-jugoslawische Grenzregion ist eine der komplexesten Regionen der europäischen Zeitgeschichte und kann die Geschichtsschreibung zum Kalten Krieg in mancher Hinsicht inspirieren. Die Studie möchte zur stärkeren Etablierung einer vergleichenden, verflochtenen und transnationalen Gesellschafts- und Kulturgeschichte des Kalten Krieges beitragen.

Dr. Sabine Rutar ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ost- und Südosteuropaforschung in Regenburg. Sie ist Herausgeberin und leitende Redakteurin der multidisziplinär sozialwissenschaftlichen Zeitschrift Südosteuropa. Journal of Politics and Society. Sie war Feodor-Lynen-Stipendiatin an der Univerza na Primorskem in Koper in Slowenien (2007/08), Fellow am Imre Kertész Kolleg in Jena (2012/13), am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (2011-2014) und am Internationalen Geisteswissenschaftlichen Kolleg "Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive" (2014/15). Sie forscht zur Europäischen Geschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts mit Fokus auf die Geschichte der Arbeit, auf Nationalismus, Nationalsozialismus, Kommunismus, Grenzen, Kriege, Erinnungspolitik und soziokulturelle Gedächtnisse. Zu ihren jüngeren Veröffentlichungen gehören "Epistemologische Grenzen und europäische Zeitgeschichte am Beispiel der nordöstlichen Adriaregion" in Europa Regional (2015); "Nationalism in Southeast Europe since 1970" im Oxford Handbook of the History of Nationalism (ed. John Breuilly, 2013); als Herausgeberin ein Themenheft der European History Quarterly über "Violence in Late Socialist Public Spheres" (2015); sowie Beyond the Balkans. Towards an Inclusive History of Southeastern Europe (Wien u.a.: Lit, 2014). Sie wurde 2001 am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz mit einer Arbeit über die sozialdemokratische Kulturbewegung im habsburgischen Triest promoviert (Kultur – Nation – Milieu. Sozialdemokratie in Triest vor dem Ersten Weltkrieg, Essen: Klartext, 2004).

Dr. Rutar ist Stipendiatin des Berliner Kollegs Kalter Krieg im Kollegjahr 2016/17.

Berliner Kolleg Kalter Krieg
Brown Bag Breakfast # 8 | Projektvorstellung am Berliner Kolleg Kalter Krieg |18.10.2016

Termine und Neuigkeiten
Vortrag | Massengewalt östlich von Triest. Vom Grenzlandfaschismus zum Kalten Krieg (1920 - 1955) | Tagung: Massengewalt in Südosteuropa. Vom 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart, Potsdam | 1.7.2017

Moderation | Panel III: South East Europe and the World. How Encounters and Exchanges Shaped Cold War Realities | Tagung: From Below and Inbetween. Narrating and Practicing the Cold War in South East Europe, Berlin | 2.6.2017

Projektvorstellung | Arbeiten und Wirtschaften an der Grenze des Kalten Krieges, Berlin |13.2.2017

Projektvorstellung | Arbeitsbeziehungen in nordadriatischen Häfen und Werften nach 1945, Frankfurt (Oder) | 1.12.2016

Veröffentlichungen

Rezension | Sabine Rutar zu Unkovski-Korica, Vladimir, The Economic Struggle for Power in Tito's Yugoslavia. From World War II to Non-Alignment, H-Soz-Kult | 20.9.2017

Blog | Verschwörungen und die Fabrikation von Wahrheit: "Houston, wir haben ein Problem!" (Regie: Žiga Virc, Slowenien, Kroatien, Deutschland, Tschechien, Katar, 2016), Erinnerungskulturen Blog | 23.2.2017