Stephan Kieninger

Stephan Kieninger, Foto: privatDr. Stephan Kieninger 
(Mannheim)

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Handel gegen den Kalten Krieg. Zur Geschichte der Erdgasröhrengeschäfte mit der Sowjetunion

In seinem aktuellen Projekt erforscht Stephan Kieninger die wirtschaftliche Dimension der Entspannungspolitik in europäischer und transatlantischer Perspektive: Trotz des neuerlichen Rüstungswettlaufs und internationaler Krisen wurde in der ersten Hälfte der 1980er Jahre die größte Erdgaspipeline der Welt von Sibirien nach Westeuropa gebaut – wirtschaftliche Kooperation trug zur Entgiftung der Politik bei, setzte einen Kontrapunkt zur Militarisierung internationaler Beziehungen und unterstrich nicht zuletzt, dass Europa eigenständige Akzente in den Ost-West-Beziehungen setzen konnte. Die Errichtung der Pipeline reichte also weit über Handels- und Profitinteressen hinaus. Zudem war der Bau der Pipeline als Bartergeschäft zum beiderseitigen Nutzen angelegt. Die Sowjetunion bezahlte die Kredite für westliche Ausrüstung mit Gaslieferungen von jährlich 40 Milliarden Kubikmetern, konnte damit ihre enormen Rohstoffreserven erschließen und mit dem Export von Erdgas Devisen erwirtschaften.

Die Recherche in internationalen Archiven konzentriert sich auf die Neubewertung der westeuropäischen Bemühungen zur politischen Einbindung und zur wirtschaftlichen Anbindung der Sowjetunion vor dem Hintergrund vielfältiger Krisen in der internationalen Politik. Von besonderem Interesse sind die erfolgreichen deutschen und französischen Bemühungen zur Fortführung der ökonomischen Détente angesichts amerikanischer Forderungen nach einer Politik des Wirtschaftskriegs gegen die UdSSR im Zuge der sowjetischen Invasion in Afghanistan und der Verhängung des Kriegsrechts in Polen.

Dr. Stephan Kieninger forscht zur Geschichte der internationalen Beziehungen der USA im Ost-West-Konflikt sowie im Bereich der deutschen und europäischen Zeitgeschichte seit 1945. Er ist Autor von Dynamic Détente. The United States and Europe, 1964–1975 (Lanham: Rowman & Littlefield, 2016) sowie Co-Bearbeiter der vom Bundesarchiv herausgegebenen Dokumente zur Deutschlandpolitik, VII. Reihe, Band 1, 1982–1984 (München: de Gruyter, 2017).

Er ist Stipendiat des Berliner Kollegs Kalter Krieg im Kollegjahr 2016/17.

Berliner Kolleg Kalter Krieg Blogbeiträge
Der Mehrwert der Entspannungspolitik | 13.9.2016

Termine / Neuigkeiten
Rezension | Luca Ratti zu Stephan Kieninger, Dynamic Détente. The United States and Europe 1964-1975 (Berliner Kolleg Kalter Krieg Blog) | 25.7.2016

Buchvorstellung | Dynamic Détente: The United States and Europe, 1964-1975 | 29.11.2016

Ringvorlesung | Handel gegen den Kalten Krieg. Zur Geschichte des Erdgasröhrengeschäftes mit der UdSSR mit Podcast | 3.11.2016

Brown Bag Breakfast | Projektvorstellung am Berliner Kolleg Kalter Krieg | 7.3.2017

Veröffentlichungen
NPIHP Working Paper # 8 | Diverting the Arms Race into the Permitted Channels” - The Nixon Administration, the MIRV-Mistake, and the SALT Negotiations | 21.11.2016

Hoover Institution News | Research By Stephan Kieninger Explores The Reagan Administration’s Diplomacy | 17.1.2017

Sources and Methods, Wilson Center Blog | The Secret Side of Ostpolitik - Helmut Schmidt, Egon Bahr, and the Soviet Backchannel | 3.4.2017

Zeitschrift für Geschichtswissenschaft | "Niemand will einen Rückfall in den Kalten Krieg". Franz Josef Strauß, Alexander Schalck-Golodkowski und der Milliardenkredit für die DDR 1983 (65. Jahrgang 2017, Heft 4)| 4.2017