Menschen, Rechte, Identität(en).

Die jugoslawischen Nachfolgekriege und gesellschaftliche Deutungskämpfe im Europa der frühen 1990er Jahre

Der Zerfall der Sowjetunion und die Deutungskämpfe um die internationale Ordnung

Projektinhalt

Die im Vorgängerprojekt erfolgte Forschung zur internationalen Ordnung der 1990er Jahre wird in der zweiten Förderphase anhand einer Untersuchung der britischen und deutschen Reaktionen auf den Zerfall der Sowjetunion fortgesetzt. Hierfür kann auf die Arbeit der ersten Förderphase zur Neuaushandlung internationaler Normen (u.a. territoriale Integrität, Selbstbestimmungsrecht, Minderheitenrechte) infolge der kriegerischen Auflösung der multi-ethnischen jugoslawischen Föderation aufgebaut werden. Angesichts der Jugoslawienkriege war man bestrebt, weitere Gewalteskalationen auf dem europäischen Kontinent zu verhindern, und die im Vergleich zum Zerfall Jugoslawiens zunächst überwiegend friedliche Auflösung der Sowjetunion schien auf eine insgesamt normgeleitete Zukunft Europas hinzuweisen.

Es gab jedoch auch schon in den frühen 1990er Jahren gegenläufige Entwicklungen, etwa der russisch-ukrainische Disput um die Krim, der Transnistrien-Krieg infolge der Unabhängigkeit Moldawiens, Georgiens Kampf gegen den südossetischen und abchasischen Sezessionismus sowie der erste Tschetschenienkrieg. Bei der Erforschung des britischen und deutschen Umgangs mit solchen Konflikten fragt das Teilprojekt, inwieweit bestimmte Ereignisse als temporärer Rückschlag interpretiert wurden oder als grundlegende Herausforderung, die Deutungskämpfe um die europäische Friedensordnung auslösen konnte. Dabei werden die neu gewonnenen Erkenntnisse immer wieder mit den Ergebnissen der ersten Förderphase in Bezug gesetzt, um wichtige Weichenstellungen der 1990er Jahre herauszuarbeiten und so auch zu einem besseren Verständnis der gegenwärtigen Deutungskämpfe um Staatlichkeit und Nationalitätenkonflikte beizutragen.

Mitarbeiter (IfZ): Dr. Christian Methfessel